Kooperation

2012 – Die Landestellenplanung kommt

In rhythmischen Abständen findet sie statt, Freude bereitet sie häufig nicht, die Rede ist von der Landesstellenplanung. Mit Hilfe dieses Instruments plant die evangelische Landeskirche in Bayern i.d.R. alle 6 Jahre ihren (Pfarr-)Stellenbedarf. Bisher ging es hauptsächlich um die Umverteilung von Stellen. Das heißt, in Gebieten, in denen der Zuzug von evangelischen Christen stark ist, wurden Stellen geschaffen, in Wegzugsgebieten Stellen gekürzt. So sollte der wachsenden Mobilität Rechnung getragen werden. 2012 ist das erstmals anders. Die Landesstellenplanung ist eine Kürzungsplanung. Stellen werden gestrichen oder gekürzt, wo die Zahl der evangelischen Christen entsprechend zurückgegangen ist.

Bittere Wahrheit – wir verlieren eine viertel Stelle

So deutete sich an, dass es in Weitramsdorf passieren könnte, dass die Stelle 2012 gekürzt werden muss, die Mitgliederzahl war in den letzten Jahren rückläufig. Letztes Jahr kam dann die Gewissheit: Die Pfarrstelle Weitramsdorf wird in Zukunft mit 75% geführt. Mit der Umsetzung beauftragt sind die Dekanate, also die Organisationsform, in der Kirchengemeinde zu einer größeren regionalen Ordnungseinheit zusammengefasst werden, die sog. mittlere Ebene. Deren Aufgabe ist es, die Kürzungsvorgabe der Landeskirche vor Ort zu entwickeln und umzusetzen. Für den Coburger Raum lautet die Vorgabe: 5 Pfarrstellen müssen wegfallen. Passiert das nicht, werden frei werdende Stellen nicht mehr besetzt, so lange bis die festgesetzte Kürzung erreicht ist. Wir sind in Weitramsdorf nicht als einzige von Kürzungen betroffen. Unsere Nachbarn in Scheuerfeld und Weidach traf es auch. Vor Jahren noch mit einem Pfarrer und einem Pfarrer z.A. (im Probedienst) gut besetzt wurde vor einigen Jahren aus der z.A.-Stelle eine Diakonenstelle gemacht. Diese wurde nun nochmal um 50% gekürzt. Dabei muss man bedenken, dass sowohl in Weidach als auch in Scheuerfeld mehr evangelische Christen leben als in der ev. Kirchengemeinde Weitramsdorf. Beide Gemeinden sind also von Stellenkürzungen betroffen. Nach einigen Gesprächen war rasch klar: wir wollen aus der Situation das Beste machen und gemeinsam auffangen, was aufzufangen ist.

Nirgends im Dekanat sollen Pfarrhäuser leerstehen

Mit dieser Vorgabe ging das Dekanat an die schwere Aufgabe, die Kürzungen von 5 Stellen umzusetzen. Wo kein Pfarrer mehr ins Pfarrhaus ziehen kann, sollte ein Diakon einziehen, damit das Licht brennen bleibt. Außerdem sollte Stellen so gestaltet werden, dass sie interessant und besetzbar bleiben – auch in Zukunft. Uns in Weitramsdorf, Scheuerfeld und Weidach war wichtig, dass Menschen, die den Dienst eines Pfarrers brauchen und wünschen, diesen auch bekommen. Also gingen wir eine Kooperation ein. Damit die Pfarrstelle in Weitramsdorf auch in Zukunft von einem ganzen Pfarrer besetzt werden kann, musste ein Dienstauftrag von 25 % außerhalb der Gemeinde gefunden werden. Da in Weidach die gesamte Arbeit nicht mehr vom Stelleninhaber in Scheuerfeld zu leisten ist, einigten sich die Kirchenvorstände in Weitramsdorf und Scheuerfeld-Weidach auf eine Kooperation in einer Arbeitsgemeinschaft. Das ist die lockerste Möglichkeit der Kooperation, die unsere Kirche geschaffen hat. Beide Gemeinden bleiben vollkommen selbstständig, der Stelleninhaber der Pfarrstelle Weitramsdorf bringt sich mit 25% seiner Arbeitszeit und Arbeitskraft in Weidach ein.

Aber wie soll das aussehen?

Das war die große Frage. Beide Kirchenvorstände – die gewählten Leitungsgremien der Kirchengemeinden und verantwortlich für das Leben in der Kirchenngemeinde und ihre Verwaltung) standen vor der Herausforderung, sich zu überlegen: was haben wir zu geben, was brauchen wir? Und wie sehen 25 % einer Pfarrstelle aus? Um welchen Arbeitsumfang geht es da? Wir haben ein Arbeitsmaß von 54 Wochenstunden (die Realität sieht nach jüngeren Untersuchungen anders aus, da reichen 54 Stunden bei weitem nicht) als Anhaltspunkt für eine volle Stelle genommen und nach dem sogenannten Thüringer Modell Arbeitsbereiche zeitlich bewertet. So haben wir verschiedene Schwerpunkte herausgebildet, die in einem Kooperationsvertrag Niederschlag fanden. In Zukunft kümmert sich der Weitramsdorfer Pfarrer, derzeit Pfarrer Michael Meyer zu Hörste, um die Taufen, Trauungen und Bestattungen in Weidach. Desweiteren übernimmt er zwei Schulstunden aus dem Kontingent des Scheuerfelder Stelleninhabers, derzeit Pfarrer Hartmut Braune-Bezold, zu seinen 6 Schulstunden dazu. Die Konfirmanden in Weidach und Weitramsdorf werden in Zukunft gemeinsam unterrichtet, den Unterricht übernimmt Pfr. Meyer zu Hörste. Auch im Gottesdienst kooperieren die beiden Gemeinden. So übernimmt Pfarrer Meyer zu Hörste einmal im Monat den Weidacher Gottesdienst nach seinem Gottesdienst in Weitramsdorf und hält einmal im Monat die Gottesdienste in Scheuerfeld und Weidach, während Pfr. Braune-Bezold am selben Sonntag den Gottesdienst in Weitramsdorf hält. Pfr. Meyer zu Hörste fungiert außerdem als Ansprechpartner in den Bereichen Ökumene und Diakonie. So bringt die Kirchengemeinde Weitramsdorf 25 %, also 13 Wochenstunden, an Arbeit in die Kirchengemeinde Scheuerfeld-Weidach ein zum Nutzen beider Kirchengemeinden.

Letzter Schritt – ein Vertrag wird geschlossen

Um die Veränderung verbindlich zu machenund kirchenrechtlich bindend, musste diese Übereinkunft in einem Vertrag festgehalten werden. Beide Kirchenvorstände berieten das Vertragswerk, stimmten zu und unterschrieben in einem feierlichen Akt den Vertrag. Den genauen Wortlaut des Vertrages lesen Sie hier. Die beiden Kirchengemeinden waren die ersten im Dekanat Coburg, die die Landesstellenplanung in Form eines Kooperationsvertrags umgesetzt haben und das auch ein Jahr bevor sie zum Ende des Jahres 2012 in Kraft tritt.

Und wie geht es weiter?

Das ist eine spannende Frage. Denn wir können nicht einfach dabei stehen bleiben. Die nächste Landesstellenplanung kommt 2017/2018. Sie wird wieder Kürzungen mit sich bringen. Wenn wir dann nicht unvorbereitet sein wollen, dann müssen wir uns auf den Weg machen, herauszufinden, wie evangelisch in Scheuerfeld, Weidach und Weitramsdorf im Jahr 2018 aussehen kann und soll. Dazu gibt es das Instrument der Regionalberatung. Wir sind damit nicht allein und werden beraten von Menschen, die Erfahrungen mit solchen Veränderungen haben. Uns treibt dabei die Gewissheit, dass Gott seine Gemeinde nicht im Stich lässt. Wir vertrauen auf sein Wort, mit uns zu gehen und auf unsere Fähigkeiten, Veränderungen gewinnbringend umzusetzen. Sie mögen schmerzhaft sein, das hindert uns aber nicht. Vor uns liegen sicher schwierige Aufgaben, wir wollen sie als Chance wahrnehmen- die Realität sieht nach jüngereen .